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Superman returns - Review

Superman kehrt in einem neuen Leinwandabenteuer zurück. Kann er die Qualität von 1978 erreichen?

Inhaltsangabe

Fünf Jahre kam Metropolis ohne Superman (Brandon Routh) aus – denn der Mann aus Stahl ist in die Weiten des Weltalls verschwunden, um nach Überresten seines Heimatplaneten Krypton zu suchen. Doch dann kehrt er als sein Alter Ego Clark Kent zurück in die Stadt und muss feststellen, dass seine Familie und Freunde weitergelebt haben. Allen voran seine grosse Liebe Lois Lane (Kate Bosworth), die für ihren Artikel „Warum die Welt auch ohne Superman auskommt“ den Pulitzerpreis gewonnen hat. Noch schlimmer: Lois ist verlobt und hat einen Sohn namens Jason (Tristan Lake Leabu). Trotzdem setzt Clark seine Arbeit beim Daily Planet fort und beschützt als Superman weiterhin die Welt vor Katastrophen. Als aber sein Erzfeind Lex Luthor (Kevin Spacey) aus dem Gefängnis kommt, schmiegt dieser neue Welteroberungspläne, die den Planeten Erde buchstäblich erbeben lassen…


Kritik

Die Welt liebt Superman! Kein Wunder: Er ist einer der bekanntesten Superhelden aller Zeiten und hat uns über Jahrzehnte hinweg in Comics, Filmen und Serien unterhalten. 1978 kam der erste 'Superman'-Film mit Christopher Reeves in die Kinos. Am Startwochenende besuchte ein Junge mit seiner Mutter eine Vorstellung des Abenteuers - und er war begeistert. 28 Jahre später bringt er selbst den fünften Kinoabstecher der Legende heraus. Sein Name: Bryan Singer. Und die Liebe zu Superman muss für den Regisseur wirklich gross sein. Sonst hätte er wohl kaum die von ihm bravourös etablierte 'X-Men'-Franchise links liegen gelassen, um bei 'Superman returns' die Kontrolle zu übernehmen. Für den dritten Teil von 'X-Men' war dies zwar ein gewaltiger Rückschlag, für den neusten Film mit Clark Kent jedoch ein Glücksfall. Dieser steht nämlich den ersten beiden 'Superman'-Streifen in nichts nach! Und obwohl Singers Werk bereits der fünfte Film der Serie ist, darf man ihn keinesfalls als 'Superman 5' betiteln. Laut Drehbuchautor Michael Dougherty handelt es sich um eine Art Sequel zum ersten Film. Aufmerksame Fans werden aber feststellen, dass es vielmehr ein dritter Teil ist.

Gerüchten zufolge entstand 'Superman returns' mit einem Budget von 250 Million US-Dollar - dies macht ihn zum teuersten Film aller Zeiten. Und das sieht man ihm an: Fantastische Effekte lassen furiose Actionsequenzen zum Leben erwecken, wie man sie wahrlich nicht täglich auf der Leinwand bestaunen kann. Als zum Beispiel eine Rakete vom Dach eines Flugzeugs starten soll und etwas schief geht, bekommt man die vermutlich beste Actionszene des Jahres serviert. Nicht minder beeindruckend sind Lex Luthors neue Machtspiele und all die Flugsequenzen, die Superman zu bestreiten hat. Singers Aussage, dass es den Menschen mit diesem Film noch nie so leicht fallen würde zu glauben, dass der Held tatsächlich fliegen kann, trifft es auf den Punkt. Ähnlich wie bei den ersten Filmen ist der Bau- und Kleidungstil eine Mischung aus 30er Jahre und Neuzeit. Alt und Neu ergänzen sich perfekt und Metropolis sieht so gut aus wie nie zuvor. Sehr beeindruckend ist das Daily Planet Gebäude mit seinem riesigen, rotierenden Logo auf dem Dach.

Die Frage, die jedoch die meisten Fans beschäftigen dürfte, ist die Qualität des neuen Superman-Darstellers Brandon Routh. Kann er es mit Christopher Reeve aufnehmen? Ist er ein würdiges Erbe? Kurz und knapp: Jawohl! Routh versprüht denselben Charme, dieselbe Naivität und beweist sich auch als klasse Schauspieler. Die verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen Reeves ist da bestimmt hilfreich. Ebenfalls herrlich ist Kate Bosworth als Lois Lane, die aber nicht nur als schlagfertige Reporterin, sondern auch als fürsorgliche Mutter überzeugt. Die Show wird beiden aber vom oscarreifen Kevin Spacey gestohlen, der den besten Lex Luthor in der Geschichte von 'Superman' präsentiert. Sein Humor, seine Gestik, seine Bosheit - es ist lange her, seit man einen Bösewicht so sehr gehasst und gleichzeitig über alles geliebt hat! Die Neubesetzungen der weiteren bekannten Figuren (Frank Langella als Perry White, Sam Huntington als Jimmy Olsen und Eva Marie Saint als Martha Kent) erweisen sich genauso als Idealbesetzungen. Singer führt aber auch neue Charaktere ein: James Marsden (als Cyclops in 'X-Men' mit dabei) mimt Perry Whites Neffen Richard, der mit Lois verlobt ist. Und Parker Posey ist mit ihrer Rolle der Kitty Kowalski die Quasinachfolgerin von Lex Luthors Gespielin Miss Teschmacher. Einen "Gastauftritt" darf Marlon Brandon verzeichnen, der mit altem Filmmaterial in seiner Rolle als Supermans Vater Jor-El aus dem ersten Streifen zurückkehrt.

Was aber nützen hochentwickelte Effekte und eine einwandfreie Darstellerriege, wenn das Drehbuch nichts taugt? Kein Grund zur Sorge: Bryan Singer hat dafür gesorgt, dass sein Lieblingsheld mit einer würdigen Geschichte zurückkehrt. Nach der obligaten Explosion von Krypton und den im bekannten Stil gehaltenen Opening Credits gehts erst richtig los: Lex Luthor wartet am Sterbebett seiner Zweckheirat, Martha Kent lebt alleine auf der Farm und der Daily Planet floriert wie eh und je. Dann kehrt Superman zurück - und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Scheint die Geschichte in der ersten Hälfte auf dem Niveau der ersten beiden Filme (Teil 3 und 4 sind bekanntlich bedeutend schlechter), wächst sie in der zweiten über sich hinaus. Denn eine fast unbedeutende Nebenhandlung bekommt eine Schlüsselrolle im 'Superman'-Universum. Mehr wird nicht verraten, denn diese Wendung gehört zu den absoluten Höhepunkten des Films. Auch dass der Held seine bis anhin schwierigste Mission bestreitet und dies für ihn fatale Folgen hat, zeigt Grösse im Storydesign. Natürlich bietet der Film noch mehr Highlights, etwa die Liebe zwischen Lois und Superman, die einen neuen Level erreicht. Wobei durchaus noch mehr aus der tollen Chemie zwischen Routh und Bosworth gemacht hätte werden können. Und wenn wir schon bei den (zugegeben wenigen) Kritikpunkten sind: Zwar hat auch 'Superman returns' Tiefgang, jedoch nie auf dem Niveau des zweiten 'Spider-Man'-Films.

Der Film bietet also jede Menge Action und Romantik. Ein dritter Aspekt ist der Humor. Die bissigen Dialoge entpuppen sich immer wieder als freche Kritiken an der Gesellschaft und sogar am Hollywood-Business. Wenn etwa Lois zu Chefredakteur Perry meint, sie wisse nicht, ob sie den Pulitzerpreis für den besagten Artikel annehmen könne, erwidert er: "Mit dem Pulitzer ist es wie mit dem Oscar: Es erinnert sich keiner daran, wofür du ihn gewonnen hast. Hauptsache du hast ihn gewonnen." Auch Lex und Kitty bringen unheimlich viele Lacher mit sich, genau wie eine herrliche Dosis Situationskomik. Oder hat schon mal jemand einen Gangster gesehen, der mit seinem Gefangenen Klavier spielt? Zudem sind zahllose Anspielung auf die früheren Filme vorhanden, etwa Lois Schwäche der Rechtschreibung. Es gäbe noch so viel zu 'Superman returns' zu sagen. Doch der Rest in aller Knappheit: John Ottmans Filmmusik ist grandios, die gezeigten Kameraeinstellungen wunderschön und der Schnitt top. Ausserdem lässt das Ende hoffen, dass es bald ein neues Abenteuer mit dem Mann aus Stahl geben wird. Die Weichen dazu sind sowohl storymässig als auch produktionstechnisch gelegt. Hoffentlich (und sehr wahrscheinlich) nimmt wieder Bryan Singer auf dem Regiestuhl platz. Mit den neuen Darstellern. Denn schliesslich liebt die Welt Superman. Jetzt bestimmt noch viel mehr!

Kurzkritik:
Superman kehrt mit einem fulminanten Abenteuer auf die Leinwand zurück und begeistert mit fantastischen Bildern, tollen Darstellern und einer erstaunlich ausgeklügelten Story. Qualitativ lässt Bryan Singers neuste Regiearbeit alle anderen Sommer-Blockbuster weit hinter sich. Und gleichzeitig ist ihm ein würdiges Comeback des bekanntesten Superhelden aller Zeiten geglückt.

© geschrieben von Adrian Spring

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