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X-Men 3 - Review

Der dritte Teil der Mutantensaga kommt am 25. Mai endlich in die Kinos. Hält das Abenteuer unter der Regie von Brett Ratner, was der Trailer verspricht?

Inhaltsangabe

Mithilfe der Eigenschaften eins jungen Mutanten haben es Wissenschaftler geschafft, ein „Heilmittel“ für Mutanten zu schaffen. Dieser Impfstoff soll die übernatürlichen Fähigkeiten dieser Menschen dauerhaft unterdrücken können. Wenig begeistert davon zeigen sich die Mutanten selbst: Magneto (Ian McKellen) und seine Anhänger sehen die von der Regierung als freiwillig betitelte Heilung als Bedrohung für ihresgleichen. Deshalb will Magneto mithilfe einer Armee der Regierung endgültig den Kampf ansagen. Die Nachricht des Stoffes spaltet auch das Lager der X-Men unter der Leitung von Charles Xavier (Patrick Stuart): Während etwa Storm (Halle Berry) die Heilung als Beleidigung betrachtet, sehen Leute wie Rogue (Anna Paquin) damit den einzigen Weg normal zu werden. Das Ganze gerät aber nahezu in Vergessenheit, als Storm und Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) die für tot geglaubte Jean Grey (Famke Janssen) finden. Doch schon bald müssen sie feststellen, dass sie sich grundlegend verändert hat…


Kritik

Man soll den Tag bekanntlich nicht vor dem Abend loben. Und genauso wenig kann man die Qualität eines Filmes anhand des Trailers beurteilen. 'X-Men - Der letzte Widerstand', der von offizieller Seite als letzter Teil der Mutantensaga betitelt wird, ist ein Paradebeispiel dafür. In der Vorschau scheinen Tiefgang, Story und vor allem der epische Aspekt garantiert. Leider trifft lange nicht alles wirklich aufs finale Werk zu. Der Schuldige dürfte Brett Ratner sein, der den Regiestuhl von Bryan Singer übernommen hat, als dieser mit 'Superman Returns' das Ufer wechselte - jener Titel, der zuerst Ratner hätte realisieren sollen. Doch mit den bekannten Figuren der ersten Filme im Rücken allein ist dem 'Rush Hour'-Regisseur kein perfekter Blockbuster gelungen.

Problem Nummer Eins ist der Erzählstil: Nach gelungen Rückblicken auf die Jugendjahre von Jean sowie dem neuen Charakter Warren verzettelt sich der Film ein wenig in den Plots um die X-Men, die Heilung, Magnetos Armee und schliesslich die Wiederauferstehung Jean Greys. Das nimmt aber im Verlauf des Films ab, wodurch die Erzählweise doch noch an jene des zweiten Teils herankommt. Problem Nummer Zwei ist das Fehlen der Epik: Im Film geht es grundsätzlich um den letzten Kampf zwischen Mutanten und Menschen. Letztere wollen, dass sich die anderen heilen, damit für sie keine Gefahr mehr besteht. Nur leider kommt selbst in der finalen Schlacht kein episches Gefühl auf, so dass man behaupten könnte, dass es hier um den Fortbestand einer „Rasse“ geht. Magnetos Armee wirkt in den Waldszenen gar lachhaft, wenn sie in hübschen Zelten campieren. Letztes und drittes Problem des Streifens ist schliesslich die Überzahl an Figuren: Nicht dass die verschiedenen Charaktere nicht interessant wären, aber sie einige bekommen eindeutig zu wenig Screentime. Insbesondere der Neuling Ben Foster ('Six Feet Under') gehört zu den Leidtragenden: Angel alias Warren wird zwar schon im Epilog eingeführt, doch seine späteren Auftritte sind rar gesät. Selbst wenn sein Vater Initiant des Heilmittels ist, kriegt man die das Gefühl, wirklich etwas über Warren zu wissen oder dass er viel mit dem Geschehen zu tun hat. Nur ein paar Szenen mehr und das Potenzial des äusserst interessanten Charakters wäre genutzt worden. Ausserdem stören einige Fehler von Szenenabfolgen, die den Machern spätestens bei der Endfassung hätten auffallen müssen.

Durch diese drei geschilderten Probleme ergibt sich ein nicht 100%ig stimmiges Gesamtbild, das schlussendlich einen fahlen Nachgeschmack hinterlässt. Aber nun genug der Meckerei, denn 'X-Men 3' hat durchaus auch hervorragende Teile. So etwa der seit dem ersten Teil fantastische Cast: Hugh Jackman, Halle Berry, Ian McKellen, Patrick Stuart, Famke Janssen - diese Persönlichkeiten harmonieren einfach prima miteinander. Besonders Janssen ist in einigen Momenten so toll, dass es Gänsehaut erzeugt. Der beste Moment der Geschichte gehört dann auch ihr, als sich das wahre Ausmass ihrer Kräfte offenbart - mit fatalen Auswirkungen für die X-Men. Diese Szene ist vielleicht gar die beste aller bisherigen Filme der Serie! Gut, weshalb Phönix, so der Name von Jeans zweiter Persönlichkeit, die in diesem Teil zum ersten Mal erwähnt wird, schlussendlich mit Magneto kooperiert und ihre Macht nicht für sich selber nutzt, bleibt ungeklärt. Und warum sie als der Über-Mutant nicht noch mehr Gebrauch von ihrem Können macht, ebenso. Zusätzlich zum erwähnten Moment gibt es noch eine Vielzahl weitere, die den Charakteren viel Tiefe verleihen. Beispiele sind Rogues Sorge um ihre Beziehung oder die Beerdigung eines X-Men. Cast-Neuzugängler Ellen Page (Kitty Pride), Kelsey Grammar (Henry McCoy) und eben Ben Foster gefallen ebenfalls mit einer Frische, die die bisherigen Akteure gut ergänzt. Magnetos neue Gefolgsleute hingegen bleiben etwas blass, da man über ihren Hintergrund rein gar nichts erfährt.

In Sachen Machart steht der dritte Teil der Saga den Vorgängern in nichts nach, im Gegenteil: Die Effekte sind spektakulärer den je, Mystiques Verwandlungen spannend wie immer und Phönix' Einsatz von Kräften schlicht atemberaubend. Das Highlight der digitalen Effekten bietet schliesslich die Demolierung der Golden Gate Bridge, was den Zuschauers zum Staunen bringt. Auch die Action stimmt: Wolverine sowie Storm haben sehenswerte Kampfszenen und Kitty Pride eine einmalige Verfolgungsjagd mit dem superstarken Juggernaut. Sehr cool geraten ist zudem der Kampf zwischen Iceman und Pyro, die sich mit ihren gegensätzlichen Kräften ein Top-Duell liefern. Kleiner Wehrmutstropfen: Obwohl der Score von John Powell äusserst passend und eingängig ist, vermisst man das geniale Stück 'Rising Empire' aus dem Trailer. Aber dies ist bei Vorschauen ja keine Seltenheit.

Was die Klasse von 'X-Men 3' schlussendlich ebenfalls wieder anhebt, wenn auch nicht auf das Niveau der Vorgänger, ist die Geschichte um das Heilmittel: Wie weit darf man für Normalität gehen? Wie lange kann man sich dem Druck der Masse widersetzen? Und vor allem: Wählt man mit der Möglichkeit auf ein normales Leben dieses oder jenes, das man bis anhin gelebt hat? Vor genau diese Fragen werden auch die Charaktere gestellt, etwa Rogue. Da sie ihren Freund Bobby nicht berühren kann, ohne ihm weh zu tun, wird sie vor die Wahl gestellt, ihre Fähigkeit für ihre Liebe aufzugeben. Nur müssen sich die Figuren auch fragen, ob die Akzeptanz ihresgleichen nach einer solchen Prozedur noch vorhanden ist. Dies sind fragen, die den Zuschauer selbst nach Filmende noch beschäftigen und sogar zu Diskussionen anregen. Und das ist ein Punkt, der dieser Film ganz klar mit den anderen 'X-Men'-Filmen gemeinsam hat: Der Inhalt von politischen und gesellschaftlichen Themen wird in Form der Mutanten dem Zuschauer in einem neuen Licht gezeigt. Das schaffen und vor allem trauen sich nur wenige. Der Schluss des Films beendet die Saga dann sehr effektiv, wenn auch nicht ganz ohne Kitsch. Mit nur 107 Minuten Laufzeit ist 'X-Men - Der letzte Widerstand' leider etwas zu kurz geraten. Eine erweiterte Fassung könnte nicht nur das ändern, sondern auch einige Mankos des Films ausmerzen. Im Zeitalter der DVD wäre dies die beste Lösung, um aus dem Mutantensagaende doch noch ein rundum gelungener Blockbuster zu machen.

Zum Schluss noch ein Tipp: Den Kinosaal erst verlassen, wenn der Abspann wirklich zu Ende ist. Man weiss ja nie, was noch kommen könnte…

Kurzkritik:
Der Abschluss der 'X-Men'-Saga ist eigentlich nicht schlecht, doch nach den tollen Vorgängern unter der Regie von Bryan Singer hat man einfach mehr erwartet. Denn ein Film wie dieser hätte eindeutig mehr Epik verdient. Nichtsdestotrotz sind die Darsteller klasse, die Effekte makellos und vor allem die Thematik der Geschichte um ein Heilmittel für Mutanten top. Schade, dass es nicht für ein perfektes Serienende gereicht hat.

© geschrieben von Adrian Spring

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