Die wahre Geschichte hinter 'Roofman' ist fast unglaublicher als jede klassische Thriller-Fiktion – und genau daraus zieht der Film seine grösste Stärke. Regisseur Derek Cianfrance erzählt die wahre Geschichte Jeffrey Manchester, der über Jahre hinweg Fast-Food-Restaurants ausraubte, indem er nachts durch Dächer einstieg. Was zunächst wie die skurrile Grundlage für eine schwarze Komödie klingt, entwickelt sich jedoch zu einem überraschend melancholischen Drama über Einsamkeit, Selbsttäuschung und den Wunsch nach einem zweiten Leben. Im Zentrum steht Channing Tatum, der hier eine seiner bislang interessantesten Leistungen abliefert. Statt auf reine Coolness und Sexyness setzt Tatum auf Unsicherheit und stille Verzweiflung. Sein "Roofman" ist kein charismatischer Meisterdieb, sondern ein Mann, der sich immer neue Identitäten erschafft, um vor seinem eigenen Scheitern davonzulaufen. Gerade diese Mischung aus Charme und innerer Leere macht die Figur so faszinierend. Tatum gelingt es, die Absurdität der realen Geschichte glaubwürdig mit emotionaler Tiefe zu verbinden. Auch Kirsten Dunst bringt enorme Präsenz in den Film. Ihre Figur wird nicht bloss zur emotionalen Nebenrolle degradiert, sondern erhält eigenes Gewicht innerhalb der Handlung. Dunst spielt mit einer zurückhaltenden Natürlichkeit, die perfekt zur melancholischen Grundstimmung passt. Besonders die gemeinsamen Szenen mit Tatum gehören zu den stärksten Momenten des Films, weil sie zeigen, wie sehr beide Figuren nach Nähe suchen und gleichzeitig unfähig sind, ehrlich miteinander umzugehen. Inszenatorisch balanciert der Film geschickt zwischen Crime-Drama und Charakterstudie. Die spektakulären Einbrüche über Dächer und Zwischendecken sorgen zwar für Spannung, stehen aber nie ausschliesslich im Mittelpunkt. Viel interessanter ist die Frage, warum jemand ein solches Doppelleben überhaupt führt – und wie lange man sich selbst dabei belügen kann. Gerade weil die Geschichte auf realen Ereignissen basiert, entwickelt 'Roofman' eine besondere Wirkung. Der Film macht deutlich, wie absurd, tragisch und menschlich diese Geschichte zugleich ist. Kein klassischer Hochglanz-Thriller, sondern ein ungewöhnlich sensibles Kriminaldrama mit starken Darstellern und erstaunlich viel emotionaler Tiefe. Kluges Drama über Täuschung & Selbstbilder! Ruhig, spannend und stark gespielt von Tatum! |