Grey's Anatomy - Season 1
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Kritik
ABC mausert sich endgültig zum König der amerikanischen TV-Sender. Neben den etablierten Erfolgsformaten 'Lost' und 'Desperate Housewives' schickte der Disney-Sender Anfang 2005 diese Ärztesendung ins Rennen - am Sonntagabend, direkt nacht den Hausfrauen. Inzwischen gehört die Sendung zu den beliebtesten der Staaten und freute sich aktuell über 11 Emmy-Nominierungen, inklusive beste Drama-Show. Dass nebenbei auch die Ladies der Wisteria Lane in Sachen Quoten überrundet wurden, spricht noch mehr für die Ärzte des Seattle Grace Hospitals. Tatsächlich ist 'Grey’s Anatomy' eine prächtig unterhaltsame Sendung, die mehr Biss bietet als die meisten anderen aktuellen Serien.
Die erste Staffel von 'Grey’s Anatomy' bietet lediglich neun Folgen. Der Grund ist der erwähnte späte Serienstart im Frühjahr 2005 - bis zum Seasonschluss Ende Mai reichte es nicht für mehr. Geistig bietet diese Staffel 15 Folgen, die restlichen sechs wurden einfach an den Anfang der zweiten Season gehängt. Doch auch wenn jetzt nur neun Episoden dazugehören - diese bieten genug Unterhaltung für eine gesamte Staffel! Schnelle Wortgefechte, klasse Dialoge und themenorientierte Folgen sorgen für Kurzweil. Dabei gibt es am Anfang und Ende jeder rund 40minütigen Episode Off-Kommentare von Hauptfigur Meredith Grey. Wobei Hauptfigur eigentlich übertrieben ist: Ihr kommt abgesehen von den erwähnten Kommentaren nicht mehr Screentime zugute als den anderen neuen Assistenzärzten.
Fast in jeder Folge steht eine oder zwei grössere Operationen im Vordergrund und die jungen Ärzte reissen sich jeweils um die Assistenzplätze. Eben diese Ärzte machen dann auch einen der grossen Reize von 'Grey’s Anatomy' aus: Die Unterschiede zwischen ihnen sind enorm und somit bietet sich viel Abwechslung. Christina etwa, deren Darstellerin Sandra Oh bereits mit dem Golden Globe geehrt wurde, ist eine Kämpfernatur, bei der der Job an vorderster Stelle steht - selbst als sie ein Verhältnis mit einem hohen Tier im Krankenhaus beginnt. Oder die soziale Izzy mit grossem Fürsorgepotential sowie der schüchterne und furchtbar in Meredith verknallte George. Heimlicher Star ist aber neben Christina ganz klar Dr. Miranda Bailey, deren Kommentare zum Schreiben komisch sind. Kein Wunder wurde Chandra Wilson, die sie verkörpert, zusammen mit Oh für einen Emmy nominiert. Ebenfalls beim Cast dabei: Patrick Dempsey, der mit dieser Serie zu neuem Ruhm gelangt, in der Rolle des charismatischen Chirurgen Dr. Derek "McDreamy" Shepard.
'Grey’s Anatomy' ist jedoch keineswegs eine Comedyserie. Die ernsten Seiten der Dramashow kommen bei vielen Patientenfällen, aber auch in Merediths Privatleben zum Zug. Ihre Mutter Alice, einst eine der besten Chirurgen des Landes, leidet an Alzheimer und ihre Tochter versucht dies vor den anderen zu verbergen – selbst vor guten Bekannten von Alice. Sowieso steckt Merediths Leben mit der komplizierten Beziehung zu Derek voller tragisch komischen Situationen. Damit schafft 'Grey’s' den schwierigen Spagat zwischen Komik und Drama mit Bravour. In der ersten Staffel gibt es allerdings noch keine grossen folgenübergreifenden Storylines. Lediglich Merediths Liebesleben und jenes der anderen Assistenzärzte behält eine gewisse Konstante. Schade eigentlich, denn durch einen dichteren roten Faden wäre diese Arztserie noch um ein Vielfaches spannender. Aber das Seasonende lässt schon anderes vermuten. Und die zweite Staffel mit ihren 27 Episoden wird wohl auch nicht allzu lange auf sich warten lassen.
Die DVD
Bild Im Bild dominieren die Blau- und Weisstöne und vermitteln dadurch einen etwas unterkühlten Eindruck. Die Schärfe hingegen ist auf überdurchschnittlichem Niveau und störendes Rauschen fällt kaum auf. Manchmal überstrahlt der Kontrast ein wenig. |
Sound Während das englische Original in einem unspektakulären 5.1-Mix daherkommt, bleibt die deutsche Fassung gleich bei Stereo. An der Verständlichkeit gibt es nichts zu bemängeln. Übrigens: Die deutsche Synchronisation ist überraschend gut gelungen. |
Extras
- Unter dem Messer: Hinter den Kulissen
- Anatomie einer Pilotfolge
- Zusätzliche Szenen
- Alternative Titelsequenz
Screenshot des DVD-Hauptmenüs |
Die Doppel-DVD bietet ein paar Extras, von denen insbesondere der Blick hinter die Kulissen sehenswert ist. In rund zehn Minuten erzählen Cast und Crew über die Entstehung der Serie, die Charaktere und wie realitätsnah 'Grey’s Anatomy' ist. Hinzu kommen eine Hand voll zusätzlicher Szenen, die aber nichts Weltbewegendes zeigen. Interessant: Die alternative Titelsequenz ist meilenweit von der schlussendlich verwendeten Version entfernt. Was 'Anatomie einer Pilotfolge' soll, bleibt dahingestellt. Darin sind nämlich nur ein paar erweiterte oder leicht geänderte Sequenzen des Piloten zu sehen. Audiokommentare vermisst man schmerzlich. Ein beiliegender Flyer enthält den Episodenguide.
DVD Übersicht | |
Filminformationen | |
Originaltitel | Grey's Anatomy - Season 1 |
Produktionsjahr | 2005 |
Genre | Ärzteserie |
Studio | Touchstone Television |
Verleih | Walt Disney Studios Home Entertainment |
Laufzeit | ca. 371 Minuten |
FSK | ab 12 Jahren |
Created By | Shonda Rhimes |
Darsteller | Ellen Pompeo, Sandra Oh, Patrick Dempsey, Katherine Heigl, T.R. Knight, Justin Chambers, Chandra Wilson, Isaiah Washington |
Technische Details | |
Bild | 16:9 (1.78:1) |
Ton | Deutsch: Dolby Digital 2.0 Englisch: Dolby Digital 5.1 Spanisch: Dolby Digital 2.0 |
Untertitel | Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Portugiesisch |
Anzahl Discs | 2 |
Verpackung | Amarayhülle |
© rezensiert von Adrian Spring am 10.10.06
© Bilder, DVD-Screenshots, Walt Disney Studios Home Entertainment