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Wenn ich eine Serie in meine "Muss ich mir mal näher anschauen"-Liste aufnehme, muss zuerst der Pilotfilm die Probe bestehen. So wollte ich vor einem Jahr die erste Folge von 'Heroes' begutachten. Nach zehn Minuten stoppte ich. Warum genau, weiss ich heute nicht mehr. Ich weiss nur, dass es ein Fehler war. Mitte September trudelte aus den USA die zweite Staffel von 'Prison Break' ein. Wenn ich schon was aus den Staaten bestelle, dachte ich mir, dann nehme ich doch noch gleich dieses 'Heroes' dazu. 'Prison Break' liegt heute noch immer im Regal, etwa ein Drittel ist bisher durch. Die Spannung hat nachgelassen, die Logik auch. Aber 'Heroes' hat mich gepackt. So sehr, wie keine andere Serie in den letzten Jahren. Nichts hat mich mehr bewegt oder mehr schockiert. Ein ähnliches Suchtgefühl hatte ich nur bei 'Alias' verspürt, immerhin meine All-Time-Favourite-Serie. Doch was macht die Faszination von 'Heroes' aus? Ich versuche es in drei Punkten zusammenzufassen:

  • Zu allererst sind da die Figuren. Menschen wie du und ich. Nur entdecken diese eben, dass sie nicht so gewöhnlich sind. Einer kann fliegen, jemand die Zukunft zeichnen. Und einen Zeitreisenden gibts auch. Allerdings müssen diese Menschen erst lernen mit ihren Fähigkeiten umzugehen. Klar, das mussten Spider-Man und Konsorte auch. Aber hier ist das anders. Claire zum Beispiel: Das adoptierte Cheerleader will nach Entdecken ihrer Unverwundbarkeit ihre leiblichen Eltern finden. Oder Peter, der sich zu Heldenhaftem berufen fühlt, aber von niemandem ernst genommen wird. Noch dazu sind einige von ihnen auf wundersame Weise miteinander verknüpft, was immer wieder Überraschungen, aber auch Erklärungen bringt. Noch bewundernswerter: 'Heroes' hat mit einem grossen (und toll spielenden) Ensemble umzugehen - und schafft es trotzdem, jedem genügend Zeit zur persönlichen Entwicklung einzuräumen.

  • Punkt Nummer zwei ist der Verzicht auf Schwarz-Weiss-Malerei. Diese heranwachsenden Helden verdreschen keine bösen Buben in den Strassen. Es gibt verschiedene Fraktionen, die alle ihre Beweggründe haben. Oberfieslinge gibt es mehrere. Doch alle verfolgen Ziele, die später aus einem ganz anderen Licht erscheinen. Einer ist anders: Sylar. Er, ein scheinbar durchgeknallter Massenmörder, lässt schon früh von sich hören. Aber auch er hat seine ganz persönlichen Ziele, die an moralische Grenzen stossen. Eine Gut-Böse-Mischung, wo schon mancher Film daran gescheitert ist.

  • Tolle Charaktere nützen noch nichts, wenn sie nicht in eine anständige Geschichte eingebunden werden. Zwei Sätze beschreiben die Handlung der ersten Staffel perfekt: "Save the Cheerleader. Save the World." In einer der ersten Folgen landet der Zeitreisende Hiro in der nahen Zukunft und wird Zeuge eines schrecklichen Ereignisses. Dieses gilt es zu verhindern, auf einer epischen Reise durch 23 Kapitel bester TV-Unterhaltung, die in ein unglaublich intensives Staffelfinale mündet.


Warum erzähle ich das alles? 'Heroes' steht von einem hiesigen DVD-Release immerhin noch ein gutes Stück entfernt. Das schon. Aber kommenden Montag startet die Serie auf SF zwei. Und ich kann nur jedem raten, der sich im Entferntesten für Superhelden interessiert: einschalten. Ich kenne keine Serie, ja keinen Film, der mit dem Thema Superhelden derart konsequent und genial (ein Wort, das ich sparsam verwende) umgeht. Ich weiss nicht, wie es in der zweiten Staffel weitergeht. Vielleicht wurde im ersten Volumen, wie es die Serie nennt, zu viel verraten. Aber ich habe Vertrauen. Für mich ganz persönlich ist 'Heroes' die Mutter aller Superhelden-Geschichten. Kein Wunder hat Comic-Guru Stan Lee einen Gastauftritt.

SF zwei, montags, 22.50 Uhr
Ab 8. Oktober

RTL2, mittwochs, 20.15 Uhr
Ab 10. Oktober

verfasst von Adrian Spring
3. Oktober 2007

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