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Décalage horaire (Jet Lag)



Release:
6. September 2004

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Kurzkritik:
Nach 'Season Breating' der berühmten Autorin Danièle Thompson's zweiter Regie-Streich. Trotz cineastisch solider Aufsetzung und der Konfrontation zweier hervorragender Schauspieler kann der zu seichte und uninspirierte Plot nicht mehr gerettet werden. Wie dem auch sei, die französische Lovestory wird mit einer technisch sehr angenehmen DVD veröffentlicht.







Inhaltsangabe

Der Pariser Flughafen. Tausende von Menschen. Jeder einzelne ist auf einer Reise und versucht schnellstmöglichst sein Ziel zu erreichen. In dem ganzen Durcheinander zwei Menschen, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Felix, ein gestresster und genervter Ex-Gourmet-Koch, ist eigentlich auf dem Weg von New York nach München, um seine Ex-Freundin wiederzusehen. Rose, eine attraktive Kosmetikerin, äusserst sensibel und emotional, will endlich ihren langjährigen Freund verlassen und ein neues Leben in Mexiko beginnen. Wie es das Schicksal so will, sitzen die beiden in Paris fest. Nach stundenlangem, zermürbenden Warten teilen sich die beiden ein Hotelzimmer. Eine chaotische Nacht beginnt, in der die beiden Hitzköpfe oft aneinander geraten. Doch dann geschieht etwas, was die beiden niemals für möglich gehalten hätten...



Kritik

Als Bruce Willis damals 1999 zusammen mit Michelle Pfeiffer für 'The Story of Us' gecastet wurde, dachte man, das sei das Aus für den erfolgreichen Actionhelden. Trotzdem bewies er eine gewisse Kompetenz und besonders viel Können um einen Schritt weiter zu gehen, den die meisten Schauspieler nach den ersten grossen Erfolgen leider nicht schaffen.

Bei den Franzosen ist das natürlich anders. Die spielten früher schon immer grossartige, komplexe Rollen und wirken in den grossen Hollywood Streifen eher unterfordert. Zu denen gehört allem Anschein nach auch Jean Reno: Wo er in 'Leon der Profi' noch als phänomenaler Newcomer geehrt wurde, merkte man, dass unter seiner Haube noch viel mehr steckt und er leider mit Filmen wie 'Wasabi' total in den glorreichen Abgrund gelenkt wurde. Glücklicherweise half ihm Regisseurin Danièle Thompson nun wieder ein bisschen da heraus und bot Reno gleich die Möglichkeit , sich in einer Lovestory als übergestresste, melancholische Bestie zu zeigen, die nach unzähligem hin und her langsam zu einer unbekannten Frau findet, die er am Flughafen kennengelernt hat und sich natürlich in diese verliebt, um aus seiner ausweglosen, depressiven Situation herauszukommen - das klingt schon mal etwas komplexer als einen debilen Inspektor zu spielen, der in Japan einer Yakuza-Tochter hinterherjagt...

Leider ist das ganze nicht ganz so einfach: 'Jet Lag - oder wo die Liebe hinfliegt' ist durchwährend - auch mit einem schauspielerisch führenden Reno und einer direkt folgenden Juliette Binoche - redlich uninspiriert. Der Plot wirkt weit hergeholt und dasselbe Problem hatte auch schon Spielbergs kleines Missgeschick 'The Terminal': Der Grossteil aller Lovestories beginnt mit der Inakzeptanz zwischen völlig oppositionellen Charakteren. Letztere müssen aber konsequenterweise im Verlauf des Films einander näher kommen können, wobei der Zuschauer mitverfolgen sollte, inwiefern sich diese emotionale Wendung abspielt. Es gibt natürlich Filme, die sind strukturell total individuell. 'Jet Lag' bedient sich aber dermassen dreist an konventionellen Stilmitteln, dass es beinahe schon ein schreckliches Vergehen ist, die beiden expressionistischen Charaktere von der einen Minute zur anderen explodieren zu lassen - respektive von Hass und Abneigung in einem Sekundenbruchteil auf Liebe und Zuneigung zu wechseln.
Wo der Film versucht an Anspruch zu gewinnen wird er leider gleich wieder langweilig. Die mühsamen Reisesequenzen gegen Ende des Filmes wo Felix Rose natürlich in mühsamer, verkrüppelter Frustration hinterhereilt, um sie von ihrer Entscheidung abzubringen und sie zurückzuholen, sind so dermassen platonisch und ermüdend, dass der Film gut und gerne hätte zehn Minuten gekürzt werden dürfen.

Wo die Franzosen so viel von Liebe verstehen wollen, schafft es Fräulein Thompson leider nicht einen exklusiven, anspruchsvollen, unkonventionellen und innovativen Schmalzstreifen abzudrehen, sondern hinterlässt Jean Reno's Chance der öffentlichen Selbstbehauptung in düsterem Schweigen. Es scheint nämlich leider so, als wären Danièle Thompsons rosige Zeiten als Drehbuchautorin vorbei und auch wenn Binoche und Reno alles daran setzen nunmehr einen Film zu retten, der im vorneherein durch seinen Plot zum scheitern verurteilt war, muss man sich mit einem kläglichen Produkt französischer Zweisamkeit abfinden.

Die DVD
Bild
Die Bildqualität der DVD ist besonders hübsch. Die Bildschärfe ist grössenteils gut, die Farben sind kräftig (teilweise ein bisschen zu kräftig) und der Kontrast ist ausser an wenigen dunklen Stellen sehr angemessen optimiert worden. Auffallend ist leider, dass das Bild im allgemeinen nicht besonders viele Details aufweist. Ansonsten sind glücklicherweise durch die Kompression weder Artefakte noch nervendes Rauschen entstanden. Durchwegs sehr saubere Arbeit also.
Sound
Dem Film liegt die Originaltonspur, sowie die deutschsprachige Synchronisation bei. Beide wurden in Dolby Digital 5.1. transferiert und da im Grunde eine Lovestory nicht sonderlich viel spektakuläre Effekte zu bieten hat, ist die Soundabmischung ganz in annehmbar. Falls nun aber doch etwas komplexere Effekte einsetzen bleibt die Akustik auch immer schön räumlich. Die deutsche Nachsynchronisation ist aber qualitativ etwas schwächer.

Extras
- Trailer
- Interviews mit Cast & Crew
- Making of
- B-Roll

'Jet Lag' bringt die üblichen 08/15 Extras mit, ohne welche sich ein DVD Kauf in einer normalen Preisklasse nicht lohnen würde. Trotzdem sind die Inhalte qualitativ heikel. Das Making of dauert beispielsweise ungefähr 22 Minuten und zeigt lediglich diverse Aufnahmen von den Dreharbeiten und diverse Interviews, in welchen sich u.a. Cast & Crew in der anderen Interview-Option auch vielfach wiederholen. Die B-Roll ist ausserdem gerade mal fünf Minuten lang und kann noch nicht einmal deutsch untertitelt werden.


DVD Übersicht
Filminformationen
Originaltitel Décalage horaire (Jet Lag)
Genre Liebesfilm
Studio Tobis home entertainment
Verleih ufa home entertainment
Laufzeit ca. 82 Minuten
FSK ab 12 Jahren
Regie Danièle Thompson
Darsteller Juliette Binoche, Jean Reno, Sergi López, Scali Delpeyrat, Karine Belly
 
Technische Details
Bild 16:9 (2.35:1)
Ton Deutsch: Dolby Digital 5.1.
Französisch: Dolby Digital 5.1.
Untertitel Deutsch, Französisch
Anzahl Discs 1
Verpackung Amarayhülle

© rezensiert von Philipp Thalmann am 23.11.04

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