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Les barbares
von Julie Delpy |
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"Sehr treffsichere Gesellschaftssatire: Charmant, witzig und mit einem klugem Blick auf Vorurteile" |
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| Release: 7. November 2025 |
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Inhalt |
In der bretonischen Kleinstadt Paimpont ist die Welt noch in Ordnung: Die Grundschullehrerin weiss alles besser, die Supermarktbesitzerin hat ein gehöriges Alkoholproblem, der elsässische Klempner ist bretonischer als die Einheimischen und der Dorfpolizist könnte einfältiger und unmusikalischer kaum sein. Da trifft es sich gar nicht gut, dass eine neue Familie frischen Wind in die Dorfgemeinschaft bringen soll. Zumal die Neuankömmlinge nicht wie erwartet aus der Ukraine, sondern aus Syrien stammen und auch noch intelligent sind. Zudem wissen sie, wie man wirklich leckeren Galettes-Teig macht. |
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| Originaltitel |
Les barbares |
| Produktionsjahr |
2024 |
| Genre |
Komödie |
| Laufzeit |
ca. 99 Minuten |
| Altersfreigabe |
ab 12 Jahren |
| Regie |
Julie Delpy |
| Darsteller |
Julie Delpy, Sandrine Kiberlain, Laurent Lafitte, Ziad Bakri, Jean-Charles Clichet |
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Kritik |
Die französische Komödie 'Die Barbaren' verbindet bissige Gesellschaftssatire mit klassischem Provinzchaos. Die zweifach Oscar-nominierte Regisseurin Julie Delpy - die auch selbst vor der Kamera steht - erzählt von einer kleinen Gemeinde, die sich demonstrativ weltoffen geben möchte, dabei aber schnell an ihre eigenen Grenzen stösst. Im Zentrum steht ein Dorf, das beschliesst, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Die Bewohner präsentieren sich zunächst als moralisch vorbildlich und tolerant. Doch als die neuen Gäste tatsächlich eintreffen, geraten die sorgfältig gepflegten Selbstbilder ins Wanken. Hinter freundlichen Fassaden treten Vorurteile, Unsicherheiten und eine gehörige Portion Egoismus hervor. Genau hier setzt die Komödie an: Sie entlarvt mit viel Ironie den Unterschied zwischen guten Absichten und tatsächlichem Verhalten. Das Drehbuch funktioniert vor allem über pointierte Dialoge und eine Reihe kleiner, eskalierender Situationen. Delpy beobachtet ihre Figuren mit spürbarer Lust an menschlichen Schwächen, ohne sie vollständig blosszustellen. Statt harter Polemik setzt der Film auf eine Mischung aus warmherzigem Humor und feiner Kritik. Viele Szenen leben davon, dass sich die Dorfbewohner immer tiefer in ihre eigenen Widersprüche verstricken. Inszenatorisch bleibt der Film bewusst bodenständig. Die Kamera hält sich meist nah an den Figuren, wodurch die Dynamik innerhalb der Dorfgemeinschaft gut zur Geltung kommt. Gerade in Gruppenszenen entsteht eine lebendige Energie, in der Missverständnisse und peinliche Momente komisch aufeinanderprallen. Gleichzeitig sorgt Delpy dafür, dass auch die Perspektive der Neuankömmlinge nicht völlig untergeht. Darstellerisch überzeugt das Ensemble durch glaubwürdige Alltagsfiguren statt überzeichneter Karikaturen. Dadurch bleibt der Humor trotz aller Zuspitzung erstaunlich menschlich. 'Die Barbaren' ist eine kluge, unterhaltsame Satire über Selbstbild und Realität einer liberalen Gesellschaft. Der Film trifft seine Beobachtungen mit Humor, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Sehr treffsichere Gesellschaftssatire: Charmant, witzig und mit einem klugem Blick auf Vorurteile |
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© rezensiert von Philipp Fankhauser am 05.03.26
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