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Crash



Release:
16. Oktober 2006

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Kurzkritik:
'L.A. Crash' ist ein ganz, ganz grosser Film mit ausgezeichneten Schauspielern, bewegenden Geschichten und einer Menge Moral, die nie aufgesetzt wirkt - auch als Director’s Cut. Was Paul Haggis hier als Regiedebüt abgeliefert hat, darf man getrost zu den besten Filmen des Jahres 2005 zählen. Die Special Edition der DVD bietet nach wie vor solide Technik und neu auch interessantes Bonusmaterial - nicht nur auf den Discs selbst.







Inhaltsangabe

Das Leben in Los Angeles ist geprägt von Gewalt, Rassismus und Korruption. Der schwarze Ermittler Graham Waters (Don Cheadle) muss sich etwa aufgrund der Kriminalität seines Bruders von höheren politischen Mächten unterkriegen lassen und seine Bettgefährtin Ria (Jennifer Esposito) will, dass er endlich wahrnimmt, welcher Nationalität sie angehört. Mit anderen Problem haben der Staatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und seine egozentrische Frau Jean (Sandra Bullock) zu kämpfen: Ihnen wird von zwei Schwarzen der Wagen gestohlen und fortan fühlt sich Jean von Ausländern bedrängt und fürchtet, ihr Mann nimmt die Gefahr zu wenig ernst. Ein viel grösserer Rassist ist allerdings der Cop Jack Ryan (Matt Dillon), der auf Streifenfahrt mit seinem Kollegen Tommy (Ryan Philipps) den TV-Produzenten Cameron Thayer (Terrence Howard) schikaniert und dessen Gattin Christine (Thandie Newton) begrabscht. Das Schicksal der Bewohner von L.A. nimmt seinen Lauf…



Kritik

2005 war ein vergleichsweise schwaches Kinojahr: Gewisse Filme gefielen, andere enttäuschten; Innovationen gab es nur wenige. Doch ein Werk machte durch fast ausschliesslich hervorragende Kritiken auf sich aufmerksam: 'L.A. Crash'. Der Regisseur dieses aussergewöhnlichen Streifens, der hiermit sein Debüt zum Besten gibt, ist kein geringerer als 'Million Dollar Baby'-Autor Paul Haggis. Und ganz bestimmt war dies nicht seine letzte Arbeit, denn dieser Film geht unter die Haut. Dafür gibt es viele Gründe, aber der offensichtlichste ist, dass 'Crash' mehr Szenen enthält, die unvergesslich bleiben, als alle anderen Filme des vergangenen Kinojahres zusammen! So gibt es tatsächlich einige Momente im Film, die den Zuschauer von ihren Sessel heben, vorher kaum gekannte Gänsehaut erzeugen und ungewollte Aufschreie produzieren lässt. Viele werden sich jetzt fragen "Was sind denn diese Momente?" Doch die können wir unmöglich so nebenbei verraten. Es würde zu viel von der Handlung vornweg nehmen, die auf eben solchen Augenblicken aufbaut. Wer aber nicht schlafen kann, ohne diese Dinge vorher zu kennen, kann den nächsten Abschnitt lesen. Alle anderen: Unbedingt direkt zum dritten Abschnitt wechseln!

Wie bereits erwähnt enthält 'Crash' wahre Gänsehaut-Momente. Der Grösste ist in Zusammenhang mit dem Schlosser und einem ausländischen Ladenbesitzer: Nachdem ersterer dem zweiten gesagt hat, er müsse die Tür auswechseln lassen, dieser es aber nicht tut, wird in der folgenden Nacht eingebrochen. Der Ausländer gibt dem Schlosser die Schuld und stattet ihm einen Besuch zu Hause ab - mitsamt Pistole. Da der Schlosser die Nacht zuvor seiner Tochter einen imaginären Schutzumhang vor Schüssen vermacht hat, rennt die Kleine ins Schussfeld - und bekommt scheinbar eine Kugel in den Rücken ab. In den letzten Jahren gab es nur wenige solcher Filmmomente, bei denen man so sehr aufschreckt. Doch gleich darauf folgt die pure Erleichterung. Ein weiteres Highlight ist ein Autounfall, bei dem der rassistische Cop eben jene Dame aus einem brennenden Wagen retten muss, die er zuvor begrabscht hat. Anfänglich will sie nicht, dass er ihr hilft. Doch während der Rettungsaktion lernen sie, sich zu vertrauen. Dann fängt eine Benzinspur plötzlich Feuer und der Bulle wird von seinen Kollegen ohne das Opfer herausgezogen. Ein unglaublicher Schock für den Zuschauer! Doch der Cop hechtet abermals ins brennende Wrack und zieht die Frau in letzter Sekunde heraus. Es wird nicht wenige geben, die nach solchen Szenen einen schnelleren Herzschlag verspüren. Natürlich sind das nicht die einzigen Höhepunkte, aber in 'Crash' sind es die einprägsamsten.

Sowieso ist die Story ein einzigartiges Konstrukt, das mit seiner Episodenhaftigkeit an 'Magnolia' erinnert. Es gibt etwa acht ausgehende Geschichtszüge, die sich während des Films miteinander verknüpfen, neue Stränge bilden oder sich gar auflösen. So klauen zwei Schwarze etwa das Fahrzeug eines Ehepaars, die aus Angst vor Einbrüchen die Schlösser von einem Spezialisten auswechseln lassen, welcher wiederum eine kleine Tochter hat, die sich vor Gewalt fürchtet. Dadurch ergeben sich ständig neue Konstellationen und Paarungen, was für immer frische Spannung sorgt. Untermalt wird das Geschehen von eigensinniger, aber dennoch passender Musik, die jede Szene zu einem eigenen kleinen Kunstwerk werden lässt. Zwar sind einige Handlungsstränge schwächer als andere (etwa jener mit dem TV-Produzenten und einem der Wagendiebe), doch die Mehrheit besticht durch erstklassige Storyfäden, die am Ende nicht alle vollumfänglich abgeschlossen werden - schliesslich geht das Leben in Los Angeles auch nach den im Film abgedeckten 36 Stunden weiter.

Paul Haggis hat für 'Crash' ein unglaubliches Ensemble zusammengetrommelt. In der Castliste tauchen Namen wie Brendan Fraser, Sandra Bullock, Don Cheadle, Ryan Philipp, Matt Dillon oder auch Thandie Newton auf. Hinzu kommen unbekannte Mimen, die aber nicht minder beeindruckend spielen als ihre "grossen" Kollegen. Jeder der zahllosen Akteure kann sich in seinen Szenen behaupten und Bestleistungen abliefern. Eine weitere grosse Stärke ist aber, wie 'Crash' mit dem Thema Rassismus umgeht, das der zentrale Leitgedanke des Films ist. Man wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass zwischen gewissen Menschenrassen ein abgrundtiefer Hass besteht, den man nicht einfach durch Gespräche oder Taten ungeschehen machen kann. Vorurteile behaften das Leben eines jeden Menschen. Manche bestätigen sich, andere nicht. Und genau das zeigt 'Crash' in zwei Stunden ganz grossem Kino auf eindrücklichste Weise. Das fand übrigens auch die Jury der Academy Awards, die 'Crash' unter anderem zum besten Film des Jahres kürten.

Zum Director’s Cut: In fünf zusätzlichen Minuten gibt Paul Haggis dem Film in einigen Szenen mehr Tiefe, etwa dem Gespräch vom Schlosser und seiner Tochter. Die Szenen fügen sich nahtlos ins Geschehen ein.

 


Die DVD
Bild
Das Bild erweist sich als äusserst angenehm zu betrachten. Zwar wirken die Farben etwas matt und der Kontrast teilweise leicht überstrahlt, dafür ist kein Rauschen weit und breit zu erkennen. Der Schärfe hätte man mehr Beachtung schenken dürfen, da diese in Totalen alles andere als perfekt ist.
Sound
Der Surround von 'L.A. Crash' wird grundsätzlich durch die Filmmusik bestimmt. Diese umgibt den Zuschauer oftmals über sämtliche Lautsprecher, was einen unglaublich in den Bann zieht. Richtige Effekte im Rear-Bereich hört man aber dennoch nur selten. Der Bass bleibt eher ruhig und wird selten ausgenutzt.

Extras
- Audiokommentar (ohne Untertitel)
- Paul Haggis kommentiert ausgewählte Szenen
- Hinter den Kulissen
- Deleted Scenes
- Making of
- L.A.: The Other Main Character
- Diverse Trailer
- Musikvideos


Screenshot des DVD-Hauptmenüs

Der auf der Verpackung nicht erwähnte Audiokommentar ist wenig spektakulär: Grösstenteils hört man nur den Film, dann geben die Filmemacher ab und zu wieder eine Anmerkung. Besser wirds auf Disc Nummer 2: Im 30minütigen Making of erzählt Paul Haggis, wie er zur Idee von 'Crash' kam. Ergänzt wird er durch Kollegen des Filmteams, die über die Menschen in L.A. sprechen. Hinter die Kulissen kann man während 10 Minuten blicken, wiederum mit Anmerkungen der Crew und Darsteller. Toll: 15 Minuten über das Leben in L.A. und wie die Stadt die Geschichte trägt. Abgerundet wird das Paket mit kommentierten Szenen, entfernten Szenen sowie zwei Musikvideos.

Neben den informativen Boni bietet die DVD ein hochwertiges 56seitiges Booklet mit Produktionsnotizen und Stab-Hintergründen, das zu Kinozeiten als Presseheft verwendet wurde. Verpackt sind die beiden Discs und das Heft in einem Steelbook.


DVD Übersicht
Filminformationen
Originaltitel Crash
Genre Episodendrama
Studio LGF Films u.a.
Verleih Universum Film
Laufzeit ca. 113 Minuten
FSK ab 12 Jahren
Regie Paul Haggis
Darsteller Don Cheadle, Sandra Bullock, Matt Dillon, Ryan Philippe, Thandie Newton, Brendan Fraser
 
Technische Details
Bild 16:9 (2.35:1)
Ton Deutsch: Dolby Digital 5.1
Englisch: Dolby Digital 5.1
Untertitel Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch
Anzahl Discs 2
Verpackung Steelbook

© rezensiert von Adrian Spring am 04.11.06

© Bilder, DVD-Screenshots, Universum Film

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